Leider ist eine Unklarheit in dem Qualifikationssystem zutage getreten die einer Klärung bedarf. Wir hoffen, dass diese Klärung in Abstimmung mit dem DOSB möglichst bald erfolgen wird. Ohne hier Name nennen zu wollen, wurde uns in diesem Zusammenhang von einem DSV Vertreter vorgeworfen wir seien schlechte Verlierer. Wir finden diesen Vorwurf unberechtigt und rufschädigend. Daher hier eine Klarstellung von unserer Seite zu dem Thema Olympiaausscheidung:
Am Sonntagmorgen machte mich Hannes auf eine widersprüchliche Formulierung in dem Olympia Qualifikationssystem aufmerksam. Bisher waren wir davon ausgegangen, dass wir unsere letzte DOSB Norm bei der EM im März nicht mehr erfüllen könnten. Bei genauerem Studium des Textes ist dies jedoch nicht so eindeutig. Bedauerlich dass uns dies erst jetzt auffällt. Dennoch sind wir es nicht zuletzt unseren Sponsoren und Förderern schuldig, zu überprüfen ob wir nicht doch noch bei der EM den erforderlichen Leistungsnachweis erbringen können. Daher habe ich unseren Sportdirektor am Sonntag sogleich auf die Unklarheiten angesprochen.
Die fraglichen Passagen lauten wie folgt:
2. Finden zwischen
Januar und März 2008 in einzelnen Klassen noch WM oder EM statt, kann dieses
Kriterium hierbei ebenfalls erfüllt werden.
Der Eigentlich widersprüchliche Satz findet sich unter Punkt 4.
4. Erfüllen mehr
als eine…Mannschaft bis 15. März 2008 diese Kriterien, findet
Gemeint war wohl, dass nur eine Ausscheidung stattfindet
wenn bis zum 15. März zwei Mannschaften
dieses Kriterium erfüllt haben. Der Satz hat aber nicht die beabsichtigte Bedeutung,
da sich das Wort „nur“ auf „eine“, also
die Anzahl der Ausscheidungen bezieht.
Für uns ist einfach ungeklärt wie ein Kriteriums nachweis bei der EM zu beurteilen ist. Da die Nominierung sowieso erst im Mai erfolgt, könnte die Leistung doch noch berücksichtigt werden. Leistung ist schließlich Leistung. Die Ausscheidung in Hyeres im April könnte dann ja trotzdem stattfinden.
Wir würden uns natürlich freuen, wenn wir noch eine Chance hätten unser Können unter Beweis zu stellen, auch wenn wir eingestehen, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht besser sind als die Peckolts. Allerdings waren wir vor einem Jahr sowohl in Palma als auch in Hyeres vor ihnen daher ist unsere Hoffnung es auch dieses Jahr zu schaffen nicht unberechtigt.
Wir hoffen auf Verständnis dafür, dass wir in dieser Sache für unsere Interessen und die unserer Sponsoren, Vereine und Förderer eintreten. Auch wir haben zu viel in diese Kampagne investiert, um einfach auf eine saubere Klärung des Sachverhaltes zu verzichten.
Download Qualifikationssystem_OS_2008_mit_Zusatz_April_2007.pdf
Leider können wir die WM nicht mit einer Erfolgsmeldung beenden. Die Lorbeeren hingen leider zu hoch. Bei stetigen Winden hätten wir eine Chance gehabt, aber bei den extrem böigen drehenden Winden, die wir in den letzten Tagen hatten war unsere Abstimmung einfach noch nicht gut genug. Heute sind wir trotz schlechter Starts (aufgrund von Geschwindigkeitsproblemen) ein paar schöne Rennen gefahren. Noch ein paar Monate und wir hätten richtig mitspielen können.
Die Peckolt Brüder haben das Olympiaticket verdient eingefahren. Heute lief es bei Ihnen nicht gut, aber Ihre Leistungen der letzten Monate machen sie in jedem Fall zur richtigen Besetzung für Quingdao (Peking). Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Spaß bei dem Erlebnis Olympia.
Morgen ist noch ein Rennen und danach das finale Medalrace. Wir werden unser Abschlussrennen einfach genießen und auf Sieg segeln. Dann kommen wir wenigstens noch unter die ersten 20 ;-)
Wir möchten unseren Sponsoren, Freunden, dem Norddeutschen Regattaverein, dem Kieler Yacht Club, unserem Trainer und unseren Familien für Ihre Unterstützung danken. Ein besonderer Dank geht an den NRV, der uns den Flug nach Australien finanziert hat. Vielen Dank auch für die viele positive Energie und die aufbauenden Mails die wir diese Woche bekommen haben. Segeln ist ein so komplexer und aufwändiger Sport, dass man ihn nur im Team bewältigen kann. Vielen Dank an das großartige Team das uns begleitet hat.
Wir werden unseren Sponsor T-Systems noch bei einigen Regatten in diesem Jahr vertreten und dabei versuchen unsere Leistungen noch mal zu steigern. Olympia ist nicht alles, sondern nur eine Regatta von vielen. Und bei jeder Regatta kann man was lernen – das ist die Hauptsache.
Wer Lust hat kann sich die Rennen als GPS Aufzeichnungen mit Audiokommentaren anschauen. Der Download für den Player findet ihr unter:
www.directscratch.de/mm/Sportshuttle1.46.exe
Einen kleinen Videobericht habe ich noch auf unsere Webseite hochgeladen:
www.baur-baumann.de (erst morgen früh!)
Beste Grüße und nochmals vielen Dank,
Marcus und Hannes
Für Hannes ist es die zweite und für mich die elfte und voraussichtlich letzte 49er WM (als Profi! ;-). Ich kann kaum glauben wie weit ich mit diesem schönen Boot herumgekommen bin.
1997 Perth/Australien (4. Platz mit Philip Barth)
1998 Bandol/Frankreich (22. Platz mit Philip Barth)
1999 Melbourne/Australien (9. Platz mit Philip Barth)
2000 Bahia California/Mexico (2. Platz mit Philip Barth)
2001 Gardasee/Italien (21.Platz mit Andreas John)
2002 Hawaii/USA (11.Platz mit Max Groy)
2003 Cadiz/Spanien (5.Platz mit Max Groy)
2004 Athen/Griechenland (3.Platz mit Max Groy)
2005 Lac de Bourget/Frankreich (5.Platz mit Max Groy)
2006 Cascais/Portugal (25.Platz mit Hannes Baumann)
Und nun Sorrento - südlich von Melbourne.
Jede einzelne WM hat ihre eigene Geschichte - aber stets folgt ein nervenaufreibender und herzzerreißender Kampf auf die akribische Vorbereitung von Mensch und Material. Die vollständige Leistungsbereitschaft über 6 bis 7 Tage aufrecht zu halten kostet viel körperliche und mentale Energie. Uneingeschränkt selbstsicher ist kaum jemand – dafür bringt der Segelsport zu viele Unwägbarkeiten mit sich:
-Wie gut wird die Bootsgeschwindigkeit tatsächlich sein?
-Kommt man bei starken Winden sicher um den Kurs?
-Schafft man es sich aus Protestsituationen raus zu halten?
-Wird man gut starten ohne frühstartgefährdet zu sein?
Nur die Rennen können Antworten auf diese Fragen geben. Wir werden mit einer kämpferisch - optimistischen Einstellung an den Start gehen um herauszufinden ob wir mit der Weltspitze mithalten können.
Das Revier ist recht schwierig, mit starken Strömungen und gravierenden Tiefenunterschieden. Wenn der Strom gegen den Wind steht, baut sich zudem eine sehr steile Welle auf, die schnell zu unsegelbaren Bedingungen führen kann.
Unser Ziel ist klar definiert. Wir möchten unter die Top 10 segeln. Sollten wir dieses Ziel erreichen, würden wir im April in Hyeres eine Olympiaausscheidung gegen das andere Deutsche Team (Peckolt/Peckolt) segeln. Verfehlen wir unser Ziel, fährt die andere Mannschaft, die Ihr Kriterium bereits erfüllt hat. Auch wir hatten gute Chancen unser Kriterium bei der EM in Italien einzufahren, aber das Team Peckolt hat uns in den letzten vier Rennen in Zweikämpfe verwickelt die uns viele Punkte gekostet haben. Um zu klären ob dieses Verhalten einen Regelverstoß der Grundregel 2 (faires segeln) darstellt, habe ich ein offizielle Anfrage an den Weltsegelverband gestellt. Die Antwort ist eindeutig: Ja.
Wir hoffen, dass diese Zweikämpfe nun nicht mehr stattfinden werden. Andernfalls werden wir Protest einlegen - es wäre mein erster Protest bei einer WM überhaupt.
Bei sechs der zehn Weltmeisterschaften an denen ich teilgenommen habe, bin ich unter die ersten 10 gefahren. Diesmal wird es aber besonders schwer werden. Unsere Konkurrenz hat in den letzten Monaten nicht geschlafen. Während wir im frostigen Kiel an unserem Bootshandling gearbeitet haben, haben andere Teams im Partnertraining weiter Ihren Speed verbessert. Wir mussten jedoch noch einmal einen Schwerpunkt im „Elementarbereich“ setzen, da wir als Team noch nicht eingespielt genug waren. 1 ½ Jahre ist keine lange Zeit, wenn man gegen Bruderteams oder Mannschaften die schon über 8 Jahre zusammen segeln antritt. Wenn wir im Bootsspeed mithalten können ist unser Ziel aber erreichbar.
Einen 49er kann man sich als komplexes System von Federn vorstellen, die auf die gegebenen Windbedingungen optimal eingestellt werden müssen. Ein möglichst steifer Rumpf, die richtige Masthärte und die richtige Mast-Großsegel-Kombination sind die wesentlichen Faktoren. Außerdem benötigt man noch ein schönes Vorsegel und einen schnellen Spi. Ist alles gut eingetrimmt und stimmen die Bewegungsabläufe, dann findet der Rest im Kopf statt. Stimmen die Basisparameter jedoch nicht, hilft auch mentale Stärke nichts. Ein schnelles Schiff hingegen lässt einen verdammt smart aussehen. Wir hoffen natürlich auf letzteres ;-)
Es wäre schon ein toller Erfolg wenn wir unter die Top10 segeln würden, vor allem auch für Hannes der vor 18 Monaten so mutig war sich auf diesen turbulenten Ritt einzulassen. Wie es auch kommen mag, er hat in den letzten Monaten außerordentliches geleistet. Das wir überhaupt noch im Rennen um das Olympiaticket dabei sind, werte ich als großen Erfolg.
Morgen sind starke Winde aus Nord angesagt. Sieht also so aus würde die Regatta mit einer Härteprüfung beginnen.
Bitte Daumen Drücken – wir werden berichten ob´s geholfen hat…
Beste Grüße, Euer Marcus
T-Systems Team 2008 schlägt sich hart aber fair.
Bis heute war es für uns eine großartige Woche. Immer wieder waren wir ganz vorne mit dabei. Leider fehlte es noch ein wenig an verschiedenen Routinen, so dass wir immer wieder ein paar Plätze abgeben mussten. Vielleicht sind wir nur noch ein paar Monate von der Form entfernt, die uns ganz nach oben bringt. Aber unser Ziel bei dieser EM unter die ersten 5 zu segeln haben wir leider verfehlt. Vor dem Medalrace liegen wir auf Platz 9 ohne jede Chance noch unter die Top 5 zu kommen. Die Zufriedenheit über unsere Entwicklung und die Enttäuschung über das verfehlte Ziel sorgen für gemischte Gefühle.
Der heutige Tag begann für uns recht gut mit einem 7en Platz. Aber schon in diesem Rennen haben die Peckolt Brüder versucht uns nach hinten zu segeln. Durch die Attacke verloren wir jedoch lediglich Distanz - keine Plätze. Auch im nächsten Rennen hatten die beiden es dann auf uns abgesehen. Über die gesamte zweite Runde deckten sie uns konsequent, was uns schlussendlich den letzten und vorletzten Platz einbrachte.
Auch vor dem letzten Rennen war klar, dass sie versuchen würden uns anzugreifen um uns aus den top 5 heraus zu befördern. Wir entschieden uns für einen risikoreichen Start am Pinnend. Zunächst sah es für uns ganz gut aus. Die Peckolts konnten uns nicht decken, da Sie schlechter beschleunigten als wir. Allerdings konnten wir auch nicht wenden, da wir ein polnisches Boot in Luv hatten. Peckolts wendeten dann aus den Abwinden der Polen auf die rechte Seite des Kurses und kamen oben (etwas glücklich) unter den top10 an, während wir nach der Wende zur Abwechslung mal die Abwinde von einer Reihe anderer Boote abbekamen. Alle Versuche uns noch nach vorne zu retten schlugen fehl und so fingen wir wiederum die Schlusslaterne ein.
Die Attacken der Peckolts waren hart aber fair. Ich hätte mich bei der Qualifikation 2004 vielleicht auch so verhalten sollen. Das hätte Max und mir damals eine deutlich bessere Vorbereitung ermöglicht.
So enttäuscht wir über unseren Abschluss waren, haben wir unseren Teamkollegen dennoch zu Ihrer Leistung gratuliert. Nun ist gesichert das ein Deutscher 49er und ein weiteres Boot aus dem T-Systems Team 2008 an den nächsten Spielen teilnimmt.
Noch haben wir unsere Chance in Melbourne, aber wir werden uns mit allen beteiligten darüber beraten müssen wie wir diese Regatta angehen wollen. Ein reines Matchrace mit den Peckolts ist sicherlich dem Ziel eine Medaille bei den nächsten spielen zu gewinnen nicht zweckdienlich.
Wir freuen uns auf die Deutsche Meisterschaft am Chiemsee, und jetzt holen wir erstmal tief Luft...
Beste Grüße aus Sizilien,
Marcus & Hannes
militärischer Jargon ist nicht mein Ding, aber in diesem Fall passt es einfach.
Die vier Finalrennen dieser Weltmeisterschat waren eine große Niederlage und Enttäuschung für uns. Wir konnten keine Startkreuz richten setzen, stolperten durch die Manöver waren langsam und nachdem die Top 10 außer Reichweite waren auch reichlich frustriert und entmutigt. Bleibt natürlich die Frage woran es gelegen hat. Die Antwort auf diese Frage - das liegt im Wesen des Sportes - ist nicht ganz so einfach. Wir haben aber schon viele Ideen wie wir weiter kommen. In den letzten 12 Monaten ging es immer nur Aufwärts. Nun haben wir einen harten Dämpfer bekommen - das wird auch sein Gutes haben. Wir werden uns nun voll auf die olympische Testregatta in China und die EM in Sizilien konzentrieren. Wenn wir unsere Erkenntnisse schnell in Handlungsmuster umsetzen können, dann kann die nächste Schlacht kommen.
Back to the lab... M+H
Die langen Tage von Cascais...
Nachdem wir an vier Tagen wegen mal drehenden - mal stürmischen Winden nur vier Rennen absolvieren konnten haben wir heute endlich mal richtig gesegelt und sind vier Rennen an einem Tag gefahren. Im letzten Rennen ging es noch mal richtig zur Sache. Nur 3 bis 4 Boote kamen ohne Kenterung ins Ziel. Bei 18-23 Knoten Wind baute sich eine steile Welle durch den in Windrichtung stehenden Tiedenstrom auf. Einige garstige Überschläge waren die Folge.
Zum Glück kamen wir ohne Bruch und Eskimorolle durch - die hatten wir vor dem Rennen schon reichlich geübt. Mit den heutigen Platzierungen 6 - 9 - 2 - 4 können wir zufrieden sein. Insgesamt liegen wir auf Platz 14 und damit noch nah an unserem Traumziel top10. Das wäre wirklich eine tolle Leistung nach nur einem Jahr gemeinsamer Zusammenarbeit. Die Bedingungen könnten wirklich nicht schwieriger sein als hier und wir treten gegen jede Menge Routiniers an. Sollte es hier nicht klappen so wäre das kein Beinbruch. Schließlich haben wir noch drei weitere Möglichkeiten das DOSB Kriterium einzufahren.
Aber nun steht erst einmal das Finale an und vielleicht schaffen wir es ja das Thema hier schon abzuhaken.
Gerüchteweise sind für die nächsten Tage nur noch 4 Renenn und das Medalrace geplant. Es bleibt spannend...
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